Meinungsfreiheit und Verzerrung durch die Presse

Diskussion um Heva Hermann

Nach der Pressekonferenz am 06.09.07 zu ihrem Buch wurde Eva Herman auf Grund eines Zeitungsartikels entlassen. Nach ihrem Rauswurf aus der TV-Show von Johannes B. Kerner im ZDF am 09.10. wurde hierüber die Diskussion wieder neu angeheizt. Auffällig ist, dass "alle" Jornalisten auf sie einschlagen und aus meiner Sicht niemand an Objektivität interessiert ist.

Ich habe mir die Mühe gemacht und die Show von Herrn Kerner (auf der Seite vom ZDF in der Mediothek aufrufbar) und die Pressestimmen im Nachklang analysiert:

Die Show von Kerner

Kerner stellte zunächst die Gäste vor, Mario Barth, Margarete Schreinemakers, Senta Berger und dann Frau Hermann. Letztere wurde mit der Frage empfangen, ob die aus dem Fehler als Sie die Familienpolitik der Nazis gelobt hatte gelernt habe.

Frau Herman antwortete auf diesen Vorwurf: "[...] ich hätte mich missverständlich über die Familienpolitik des Dritten Reichs geäußert. Und das habe ich definitiv nicht getan.[...] Ich habe gelernt, dass das was berichtet wird in der Presse häufig zu überpfüfen ist [...]".

Nun stellte Herr Kerner zunächst das alles auslösende Zitat aus dem Hamburger Abendblatt vom 07.09.2007 vor. Er zitierte: "In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich: da sei vieles sehr schlecht gewesen, z.B. Adolf Hitler, aber einiges auch sehr gut, z.B: die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat."

Im Anschluss wurde das Originalzitat als Tondokument vorgespielt, wobei der Text zum Mitlesen eingeblendet wurde:

"Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen eine Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das ja im Nationalsozialismus und der darauffolgenden 86er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit der 68er Bewegung wurde damals praktisch alles das — alles, was wir an Werten hatten. Es war eine grausame Zeit. Das war ein völlig durchgeknallter, hochgeföhrlicher Politiker, der das deutsch Volk ins Verderben geführt hat - das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch auch alles was gut war (das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt), das wurde abgeschafft!" (Ich habe Satzzeichen bewusst anders gesetzt als das ZDF!)

Es folgte eine Diskussion über dieses Zitat, wobei Herr Kerner nicht auf Frau Hermans Argument reagierte, dass man nicht den letzten Satz allein stehen lassen dürfe und ihn somit falsch interpretiert.

Entscheidend ist hier folgender Satz, bei dem ich die wesentliche Aussage nun hervorhebe:

Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das ja im Nationalsozialismus und der darauffolgenden 86er-Bewegung abgeschafft wurde.

Ganz klar und eindeutig, dass Frau Hermann hier nicht pro NS-Regime argumentierte, sondern dieses als ursächlich für das heutige Problem sieht - ebenso wie die 68er-Bewegung. (An dieser Stelle der Hinweis, das ich hier nicht zu Frau Hermans Meinung im Allgemeinen Stellung nehme, da ich mich mit dieser kaum befasst habe.)

In der Folge versuchte Eva Herman immer wieder deutlich zu machen, dass sie zu keiner Zeit pro NS-Regime gesprochen hat, was aber permanent ignoriert wurde. Nachdem der geladene Historiker, Prof. Wolfgang Wippermann, - ebenfalls die wirkliche Aussage ignorierend - Frau Herman zu erklären versuchte, was ihre Meinung sei und ihr erläuterte, was NS-Familienpolitik war, bedankte sie sich für den Geschichtsunterricht und stellte fest, dass all dies nichts Neues für sie war. Auch wiederholte sie, dass sie genau dagegen immer schon argumentiert hatte: "[...] dass ich das an den Haaren herbeigezogen und unsachlich finde, weil mir hier wieder etwas unterstellt wird, wovon ich mich die ganze Zeit distanziert habe [...]"

Im Anschluss stellte Frau Herman heraus, dass sich auf der Pressekonferenz und im der direkten Berichterstattung danach niemand an ihren Äußerungen gestört hatte, sondern dies erst auf Grund des Artikels im Hamburger Abendblatt begann.

In der Folgenden Diskussion wurde immer dann, wenn zu befürchten war, dass der oberflächliche Zuschauer die Augengeöffnet bekommt, Frau Herman ins Wort gefallen (so zumindest mein Eindruck), dennoch gelang ihr u.a. folgendes Statement: "wenn wir die Ursache [für die fehlende Kinderakzeptanz und die niedrigen Geburtenraten] suchen, kommen wir leider nicht umhin, zurückblicken zu müssen, wo hat's angefangen? Und das ist doch klar, in dieser Zeit - im Dritten Reich - sind die Familienwerte misbraucht worden und perwertiert worden und natürlich auch von den 68ern ist das deswegen abgelehnt worden ..."

An dieser Stelle fiel Senta Berga ins Wort und Fragte nach Frau Hermans Alter in der Zeit, um mitzuteilen, dass sie da zu jung war und von daher keine Ahnung hat. Wichtiger aber als diese dumme Argument von Frau Berger, die ohnehin immer wieder feststellte, dass sie gar nichts zum Thema beitragen könne, weil sie die Bücher von Frau Herman nicht kennt, ist die Aussage von Frau Herman, dass die Pervertierung der Werte durch die Ntionalsozialisten mit Ursache für die heutige Situation sei. Hierüber wurde von allen Beteiligten hinweg gegangen.

Statdessen wurde kurzzeitig über die eigentlichen Aussagen von Frau Herman diskutiert - wogegen grundsätzlich auch nichts einzuwenden ist. Hier kann man auch problemlos anderer Meinung sein oder Frau Herman missinterpretieren.

Herr Kerner wollte aber die Diskussion lieber wieder auf den vermeintlichen NS-Vergleich bringen. Obwohl er aufgriff, dass Frau Herman von Pervertierung durch das NS-Regime sprach, fragte er, warum sie diesen Vergleich bei der Buchvorstellung gewählt habe. Gebetsmühlen gleich wiederholte Frau Herman, dass es nicht darum ging Dinge dieser Zeit gut zu heißen, sondern im Gegtenteil, dass diese Zeit Ursache für heutige Probleme darstellt.

Trotzdem bleibt der Historiker auf die anschließende NAchfrage von JBK dabei, dass Frau Herman diese Aussage gemacht hätte und die Werte des Dritten Reichs gelobt hätte.

Herr Kerner wies nun darauf hin, dass auch rechtse Parteien voller Lob für Frau Herman seinen. Hier stellte Frau herman fest, dass sie dagegen jurostisch vorgeht und sich von diesen deutlich distanziert. (Ursache für das Lob sind aus meiner Sicht auch nicht Frau Hermans Aussagen, sondern die offensichtlichen Falschzitate und das Ignorieren von Richtigstellungen - ohne dieses wären die Rechten gar nicht auf die Idee gekommen Frau Herman zu instrumentieren - meine Meinung. Dass sie nun von der Öffentlichkeit profitieren wollen ist daher u.a. ein Verdienst von JBK).

Nun durfte auch Margarethe Schreinbemarkers an der Diskussion teilnehmen: "Egal wie oft ich diesen Satz höre - und ich hab' ihn ja jetzt nur einmal als Audiodokument gehört, einmal in vorgelesener Version - im Audiodokument heißt's im Ton - ohne Eva jetzt zu sehen - ist er durcheinander und kraus; das ist das Problem. Er ist durcheinander, er ist kraus und man versteht es nicht, das heißt der sinnzusammenhang ist so als würde sie diese Werte auf die NS-Vergangenheit beziehen. Wenn man sich so viel auf die Schultern packt an großer Familienpolitik, wo irre viel Themen dazugehören, dann kann natürlich 'mal etwas durcheinander geraten im Kopf - und das war mein Eindruck als ich das hörte. Das könntest du beispielsweise jetzt zugeben. Ich findes es jetzt fast sinnlos über einen solchen Satz weiterzureden, weil ehrlichgesagt dieser Satz ist es nicht Wert, weil wir jedee Sekunde wo wie länger d'rüber debattieren, wir der rechten Szene einen Gefallen tun. Ich würde diesen Satz gern versenken."

Ich stelle einmal neutral fest: egal wie oft bezieht sie auf zwei mal - davon nur einmal das Originalzitat. Gut vorbereitet.

Weiterhin sieht sie selbst die gemeinte Aussage. Statt aber zu sagen 'unser Fehler, wir haben falsch interpretiert' wird lieber weiter Frau Herman beschuldigt, ob der nicht gemachten Aussage. (Wieder meine Meinung: es gibt Gründe, warum Frau Schreinemarkers keine Sendung mehr hat...)

"Ich habe auch hier wieder den Eindruck, dass keine Freisprechung erfolgen soll" kommentiert Frau Herman richtig "sondern es soll weiter missverständlich behandelt werden: sie hat es gesagt, wir wollen das jetzt so und alles andere zählt überhaupt nicht."

Nun machte Frau Schreinemarkers deutlich, dass sie allgemein nichts von Frau Herman hält und weil in der Vergangenheit schon einmal jemand ihre Forderungen geäußert hat, sie dies nicht mehr tun müsse. (Purer Neid auf Frau Herman Popularität, die Frau Sschreinemarkers selbst schon lange nicht mehr hat.)

Nun wurde ein wenig über die 68er diskutiert (Frau Berger) und Frau Schreinemarkers versuchte darzulegen, dass sie schon vor Jahrzehnten Reportagen machte, die sich mit diesem Thema beschöftigten und dass deshalb Frau Herman ihre Bücher nicht hätte Schreiben müssen.

Nachdem die Diskussion Herrn Kerner nach ca. 5 Minuten zu friedlich wurde, brachte er wieder zwei Zitate - eines aus Frau Hermans Buch "Die Forderungen der heutigen Frauenemanzipation wurden im Namen eines schrankenlosen Individualismas erhoben." Das andere "Das hohe Lied des Individualismus hat längst deinen verführerischen Klang verloren, doch mittlerweile haben sich reichlich Gründe erschlossen, warum man sich von dieser gefährlichen Vorstellung befreien sollte." von Alfred Rosenberg , Chefideologe der Nationalsozialisten, aus dem Jahre 1930.

Muss also jeder, der eine Aussage zum Thema Individualismus macht und dagegen ist befürchten, dass ihm eine braune Gesinnung unterstellt wird?

Als Quelle für diesen Zitat-Vergleich nannte Herr Kerner Thea Dorn von der TAZ. Frau Hermann stellte heraus, dass diese bereits aus ihrem Buch "Das Eva Prinzip" das Eva Bruan Prinzip" gemacht hatte.

----- wird fortgesetzt ----

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